Formaldehyd
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Formaldehyd

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Identifikation | Charakterisierung | Formel | Phys.-Chem. Eigenschaften | Toxikologie / Ökotoxikologie | Arbeitsmedizin und Erste Hilfe | Sicherer Umgang | Vorschriften | Links | Literaturverzeichnis

Gefahrensymbol/Formel Gefahrensymbol/Formel Gefahrensymbol/Formel

IDENTIFIKATION

Formaldehyd
Formalin
Oxomethan
Methanal
ZVG Nr: 10520
CAS Nr: 50-00-0 Formaldehyd, wasserfrei
EG Nr: 200-001-8
INDEX Nr: 605-001-00-5

CHARAKTERISIERUNG

STOFFGRUPPENSCHLÜSSEL

142600
162000
Aldehyde
Organische Gase

AGGREGATZUSTAND

Der Stoff ist gasförmig.

EIGENSCHAFTEN

Gas, handelsüblich als wässrige Lösung
farblos
stechender Geruch

CHEMISCHE CHARAKTERISIERUNG

Extrem entzündbares Gas. Bildet mit Luft explosive Gemische.
Leicht löslich in Wasser.
Wässrige Formaldehyd-Lösungen haben bei Raumtemperatur einen merklichen Formaldehyd-Dampfdruck. Formaldehyd neigt in wäßriger Lösung leicht zur Bildung polymerer Formen.
Von dem Stoff gehen akute oder chronische Gesundheitsgefahren aus.
Der Stoff ist gewässergefährdend.
(s. Kapitel VORSCHRIFTEN).

Stoffinformationen in Wikipedia

FORMEL

CH2O
Gefahrensymbol/Formel
Molmasse: 30,03 g/mol
Umrechnungsfaktor (Gasphase) bei 1013 mbar und 20 °C:
1 ml/m³  =   1,25 mg/m³

PHYSIKALISCH CHEMISCHE EIGENSCHAFTEN

Schmelzpunkt | Siedepunkt | Kritische Daten | Dichte | Dampfdruck | Flammpunkt | Zündtemperatur | Explosionsdaten | Löslichkeit | Verteilungskoeffizient | Gefährliche Reaktionen

SCHMELZPUNKT

Schmelzpunkt: -117 °C
Quelle: 00440 

SIEDEPUNKT

Siedepunkt: -19 °C
Quelle: 00440 

KRITISCHE DATEN

Kritische Temp.: 133 °C
Quelle: 00440 

DICHTE

DICHTE
Wert: 0,8153 g/cm³
Temperatur: 20 °C
Reinstoff
Quelle: 00106 
RELATIVE GASDICHTE
Dichteverhältnis zu trockener Luft bei gleicher Temperatur und gleichem Druck
Wert: 1,037
Reinstoff
Quelle: 00440 

DAMPFDRUCK

Dampfdruck: 2 hPa
Temperatur: 20 °C
Formaldehydlösungen 37 %
Quelle: 01241 
Dampfdruck: 4378 ...  4420 hPa
Temperatur: 20 °C
Gas
Quelle: 00220 
Dampfdruck: 5176 ...  5185 hPa
Temperatur: 25 °C
Gas
Quelle: 00435 

FLAMMPUNKT

Flammpunkt: 85 °C
Angabe bezieht sich auf Messung im geschlossenen Tiegel.
wässrige Formaldehydlösung, 37 %, methanolfrei
Quelle: 07520 
Flammpunkt: 62 °C
Angabe bezieht sich auf Messung im geschlossenen Tiegel.
wässrige Formaldehydlösung, 37 %, mit 10 % Methanol
Quelle: 01211 
Flammpunkt: 50 °C
Angabe bezieht sich auf Messung im geschlossenen Tiegel.
wässrige Formaldehydlösung, 37 %, mit 15 % Methanol
Quelle: 07520 

ZÜNDTEMPERATUR

Zündtemperatur: 430 °C
Temperaturklasse: T2
Grenzspaltweite: 0,57 mm
Explosionsgruppe: IIB
Quelle: 00440 

EXPLOSIONSDATEN

Untere Explosionsgrenze:
7 Vol.-%
87 g/m³
Obere Explosionsgrenze:
73 Vol.-%
910 g/m³
Quelle: 00440 

WASSERLÖSLICHKEIT

leicht löslich in Wasser
Quelle: 07796 

VERTEILUNGSKOEFFIZIENT (Octanol/Wasser)

log Kow: 0,35
Empfohlener Wert der LOG KOW Datenbank.
Quelle: 02070 

GEFÄHRLICHES REAKTIONSVERHALTEN

Gefährliche chemische Reaktionen:
 
Explosionsgefahr bei Kontakt mit:
Salpetersäure
Wasserstoffperoxid
Nitromethan
Perameisensäure
Peressigsäure
Phenol (Polymerisation)
Stickstoffdioxid (180 Grad C)
 
Der Stoff kann polymerisieren bei Kontakt mit:
Alkalien
Nitriden
Polymerisationsinitiatoren
 
Der Stoff kann in gefährlicher Weise reagieren mit:
starken Oxidationsmitteln
Furfurylalkohol
Kaliumpermanganat
Magnesiumcarbonat
Natriumhydroxid
Perchlorsäure + Anilin
Salzsäure
Quelle: 06002 99999 

TOXIKOLOGIE / ÖKOTOXIKOLOGIE

TOXIKOLOGISCHE DATEN

LD50 oral Ratte
Wert: 100 mg/kg
Food and Chemical Toxicology. Vol. 26, Pg. 447, 1988.
LD50 dermal
Species: Kaninchen
Wert: 292 mg/kg
Union Carbide Data Sheet. Vol. 4/21/1967,
Quelle: 02071 

ÖKOTOXIKOLOGISCHE DATEN

LC50 Fisch (96 Stunden)
Minimalwert: 1,41 mg/l
Maximalwert: 330 mg/l
Medianwert: 52,5 mg/l
Studienanzahl: 106
Referenz für Medianwert:
Bills, T.D., L.L. Marking, and G.E. Howe 1993. Sensitivity of Juvenile Striped Bass to Chemicals Used in Aquaculture. Resour.Publ.192, Fish Wildl.Serv., U.S.D.I., Washington, DC :11 p.
LC50 Krustentiere (48 Stunden)
Minimalwert: 954 mg/l
Maximalwert: 1160 mg/l
Medianwert: 1070 mg/l
Studienanzahl: 6
Referenz für Medianwert:
Espiritu, E.Q., C.R. Janssen, and G. Persoone 1995. Cyst-Based Toxicity Tests. VII. Evaluation of the 1-h Enzymatic Inhibition Test (Fluotox) with Artemia nauplii. Environ.Toxicol.Water Qual. 10:25-34
EC50 Krustentiere (48 Stunden)
Minimalwert: 5,8 mg/l
Maximalwert: 29 mg/l
Medianwert: 14 mg/l
Studienanzahl: 5
Referenz für Medianwert:
Lagerspetz, K.Y.H., A. Tiiska, and K.E.O. Senius 1993. Low Sensitivity of Ciliary Activity in the Gills of Anodonta cygnea to Some Ecotoxicals. Comp.Biochem.Physiol.C 105(3):393-395
Quelle: 02072 

ARBEITSMEDIZIN UND ERSTE HILFE

Aufnahmewege | Wirkungsweisen | Erste Hilfe | Arbeitsmedizinische Vorsorge

AUFNAHMEWEGE

Hauptaufnahmewege:
Der Hauptaufnahmeweg für Formaldehyd (F.) verläuft über den Atemtrakt. [7619]
Atemwege:
Der größte Teil des inhalierten F. wird im oberen Atemtrakt retiniert und resorbiert, beim Menschen wahrscheinlich primär an der Nasen- und der Mundschleimhaut, zu gewissen Anteilen aber auch in der Luftröhre und den Bronchien. [7985]
In der Nase löst sich das Gas zunächst in der Schleimschicht über dem Nasenepithel und setzt sich infolge seiner hohen Reaktivität bereits mit deren Bestandteilen um. Bei genügend hohen Konzentrationen stellt sich ein Konzentrationsgradient von freiem F. innerhalb der Schichten des Nasenepithels ein.
Innerhalb der Epithelzellen sind weitere Reaktionen möglich, die zur Inaktivierung von F. führen.
Aufgrund der hohen Reaktivität wird letztlich nur ein geringer Anteil von freiem F. im Organismus bioverfügbar.
In Versuchen an Testpersonen und Versuchstieren (Affe, Ratte) stiegen die physiologisch vorhandenen F.-Spiegel im Blut nach externer Exposition gegenüber 2 - 24 ppm F. nicht signifikant an. [7619]
Haut:
Hautkontakt ist insbesondere beim Umgang mit wässrigen F.-Lösungen oder flüssigen F.-haltigen Harzen möglich. [7985]
Nach Ergebnissen aus Tierversuchen und In-vitro-Studien an menschlicher Haut bindet F. (sofern es nicht verdampft) in der Haut reversibel oder irreversibel an Biomoleküle. [99996]
Es wird aber nicht erwartet, dass F. bei Kontakt mit intakter Haut zu nennenswerten Anteilen systemisch verfügbar wird. [5334]
Verdauungstrakt:
Tierversuchsergebnisse weisen darauf hin, dass F. (oder seine Reaktionsprodukte) effektiv über den Verdauungstrakt resorbiert werden können. [99996]

WIRKUNGSWEISEN

Hauptwirkungsweisen:
akut:
Reiz- bis Ätzwirkung auf Augen und Haut, [435, 7510]
hautsensibilisierende Wirkung,
Reizwirkung im Atemtrakt [7619]
chronisch:
Reizwirkung auf Augen und Atemwege,
allergische Hauterkrankungen [7619, 7748]
Akute Toxizität:
Aufgrund seiner hohen Reaktivität setzt sich F. leicht mit Makromolekülen um, so dass toxische Effekte primär an den Geweben und Organen mit direktem Substanzkontakt auftreten. [7985]
Am Auge haben wässrige F.-Lösungen in Abhängigkeit von der Konzentration und der medizinischen Behandlung leichte, schnell reversible Reizungen (z.B. 0,2%ige Lösung) bis hin zu bleibenden Schädigungen (permanente Hornhautrübung z.B. nach Einwirkung 40%iger Lösung) hervorgerufen. Das Ausmaß der Schädigung ist in den ersten 2 h oft nicht erkennbar, sondern wird erst innerhalb der folgenden 12 h deutlich. [7979]
An der Haut bewirken F.-Lösungen Reizungen bis Nekrosen. Nach intensivem Kontakt mit 4- bis 10%igen Lösungen wurden bräunliche Verfärbung von Haut und Nägeln, Schädigung der Nagelsubstanz, Entzündung des Nagelfalzes, Bläschenbildung, Entzündungen und Verhärtung der Haut beobachtet. [7836] 1%ige wässrige F.-Lösung löst bei okklusiver Einwirkung noch bei ca. 5 % der Bevölkerung Reizreaktionen aus. [83]
Eine hautsensibilisierende Wirkung ist durch Erfahrungen am Menschen und zahlreiche tierexperimentelle Studien belegt. Aus dem umfänglichen Datenmaterial wurde abgeleitet, dass die unmittelbare Einwirkung von F.-Lösungen in Konzentrationen von mehr als 2 % eine Kontaktallergie (Typ IV) induzieren kann. Bei Sensibilisierten sind allgemein ab Konzentrationen von 0,05 % F. allergische Reaktionen auslösbar. [7914]
Akute allergische Hautreaktionen scheinen aber meist durch Exposition über den Luftweg induziert zu werden und sich bevorzugt im Gesichtsbereich (oft als periorbitales Ödem) zu manifestieren. [7748]
Berichtet wird vereinzelt auch über systemisch-allergische (anaphylaktische) Sofortreaktionen nach Hautkontakt oder auch Kontakt im Mundbereich (generalisierte Urtikaria mit Pruritus, Lippen- und Gesichtsödem, Brustschmerz u.ä.). [7619]
Akute systemisch toxische Wirkungen werden nach Kontakt von F. mit intakter Haut aufgrund der geringen Bioverfügbarkeit nicht erwartet. [5334]
In einem Sonderfall sind beim Menschen in Verbindung mit einer Hautschädigung auch systemische Wirkungen beobachtet und mit einer dermalen F.-Aufnahme in Zusammenhang gebracht worden (großflächiger Hautkontakt mit einem Phenol-Formaldehyd-Harz, das freies F. enthielt, bewirkte Hautnekrosen und Effekte an Herz-Kreislauf-System und Nieren). [7748]
Bei inhalativer Exposition steht die lokale Reizwirkung an den Schleimhäuten im Vordergrund. In seltenen Fällen ist auch über allergisch bedingtes Asthma als Sofort- oder Spätreaktion berichtet worden (näheres unter „Chronische Toxizität“).
Zur lokalen Reizwirkung liegen folgende Konzentrations-Wirkungsbeziehungen vor:
Aus Probandenstudien (wenige min bis 6 h) wurde abgeleitet, dass die Schwellenkonzentration für Nasen-Rachen-Reizungen bei ca. 1 ppm liegt, während der Geruch schon bei geringeren Expositionen (unter 0,05 ppm) wahrgenommen werden kann.
Ausreichend valide Daten zur Reizschwelle resultierten für die Augenreizung. Sie setzt bei 0,5 - 1 ppm, nur vereinzelt darunter, ein. Erstmalig exponierte Personen reagierten nicht empfindlicher als Langzeitexponierte oder Asthmatiker. [7619]
Mit steigender Konzentration werden an Augen und Atemwegen zunehmend stärkere Reizeffekte bemerkbar: bei 4 - 5 ppm Tränenreiz, deutliche Reizungen in Nase und Rachen, bei 10 - 20 ppm Augenbrennen, sehr starker Tränenfluss, Brennen in Nase und Rachen, starke Beschwerden beim Atmen, starker Husten; bei 50 - 100 ppm zudem Engegefühl in der Brust, Kopfschmerz, Herzklopfen, und es können Verätzungen am Auge, im Extremfall der Tod durch Erstickung infolge von Schwellung oder Spasmen des Kehlkopfs resultieren. [7656]
Es wurde eingeschätzt, dass Expositionen gegenüber 50 - 100 ppm über 5 - 10 min auch die Lunge schädigen können. Als IDLH-Wert (immediately dangerous to life or health) wurden für F. 20 ppm festgesetzt. [7930]
Orale Vergiftungen sind für Formalin (37%ige F.-Lösung) beschrieben worden. Sie ähnelten meist einer Säureingestion mit typischen Schleimhautschädigungen (Nekrosen, teils auch Ulceration) in Mund, Speiseröhre, Magen und den oberen Darmabschnitten. Symptome waren starkes Brennen, Würgkrämpfe [7637] und Magenschmerzen, teils auch blutiges Erbrechen. Häufig bestand Atemnot und Beklemmungsgefühl in der Herzgegend. [7606]
Durch Stoffwechselstörungen (metabolische Azidose mit resultierender Laktazidämie) können Störungen im Zentralnervensystem resultieren (Schwindel, Bewusstlosigkeit, Koma). [7748]
Resorptiv ist auch eine Nierenschädigung (mit Albuminurie und Anurie) möglich. Verzögert sind Magenperforation oder Strikturen in Magen, Darm, evtl. Speiseröhre zu befürchten. Bereits 10 - 20 ml Formalin können tödlich wirken. [7637]
Chronische Toxizität:
Als Folge beruflichen wie außerberuflichen Kontaktes mit F.-haltigen Lösungen oder Materialien sind häufig allergische Hauterkrankungen beschrieben worden. [7914, 7619]
Dabei scheint sich die chronische Form der Hautsensibilisierung bevorzugt als Ekzem an Händen und Armen zu manifestieren. [7748]
Besonders häufig wurden positive Hauttests gegenüber F. bei Beschäftigten von Gesundheitsdiensten, Reinigungsfachkräften sowie bei Metallarbeitern (vor allem spanende Tätigkeit) registriert. Die in diesen Bereichen abnehmende Verwendung von F. hat inzwischen zu einem deutlichen Rückgang der Reaktionsquoten geführt. [7619]
Aufgrund des umfänglichen Gebrauchs von F. sind auch in der Allgemeinbevölkerung hohe Sensibilisierungsraten gefunden worden. Sie lagen in Testungen an Hautpatienten bis Mitte der 1990iger Jahre im Bereich bis 9 %. Inzwischen sind sie gleichfalls zurückgegangen; in Europa liegen sie jetzt im Bereich von 0,5 - 2 %. [7914, 7619]
Nach beruflicher oder außerberuflicher Exposition ist in einigen Fällen auch über F.-induziertes Asthma berichtet worden. In inhalativen Provokationstests zeigten sich zum Teil positive Reaktionen: meist Sofortreaktionen, seltener duale Reaktionen oder isolierte Spätreaktionen. Eine konsistente Beziehung zwischen bronchialer Reaktion und Hautsensibilisierung wurde nicht gefunden. Insgesamt ist eine allergische Genese der durch F. verursachten Asthma-Reaktionen in wenigen Fällen ausreichend gesichert. [7619] In vielen Fällen scheint die irritative Wirkung von F. bei Personen mit anderweitig erworbener Asthmaerkrankung die Atemwegsreaktion ausgelöst zu haben. [7748]
Bezüglich der lokalen Reizwirkung wurde aus älteren Arbeitsplatzstudien berichtet, dass bei den früher hohen F.-Expositionen chronische Entzündungen der Augenbindehäute und der Schleimhäute im Nasen-Rachen-Raum aufgetreten sind. Bei Arbeitern, die über Monate bis Jahre geringeren Konzentrationen F. ausgesetzt waren, kam es zu chronischen Bronchialerkrankungen. [7637]
In neueren Arbeitsplatzstudien fand man bei Beschäftigten mit Exposition gegenüber 0,4 - 1 ppm bzw. 1 - 3 ppm F. im Vergleich zu Arbeitern mit Hintergrundbelastung (0,05 ppm) vermehrt Augen- und Nasenirritationen und "trockenen" Rachen. Registriert wurde auch ein Abfall bestimmter Atemfunktionsparameter (FEV1, FVC), der aber schnell reversibel war.
In verschiedenen Studien waren bei langjährig Exponierten histologisch Läsionen der Nasenschleimhaut (Verlust der Zilien, hyperplastische und atrophische Veränderungen) nachweisbar, wobei die Exposition z.T. sehr niedrig (auch unter 1 ppm) gelegen hatte. Es ist bisher nicht abschätzbar, ab welcher Konzentration diese Veränderungen auftreten.
Bezüglich der Reizwirkung wurde aus dem verfügbaren Datenmaterial zusammenfassend abgeleitet, dass bei 0,3 ppm F. praktisch alle Beschäftigten vor der Augenreizwirkung geschützt sind. Allerdings kann bei Anwesenheit weiterer Chemikalien und Stäube eine höhere Empfindlichkeit gegenüber den Reizeffekten bestehen. [7619]
Reproduktionstoxizität, Mutagenität, Kanzerogenität:
Zur Einstufung des fortpflanzungsgefährdenden, erbgutverändernden und krebserzeugenden Potentials s. Stoffliste nach Anhang VI der GHS-Verordnung und/oder TRGS 905 und/oder MAK-Liste.
(s. Kapitel VORSCHRIFTEN).
Reproduktionstoxizität:
Ein Risiko der Fruchtschädigung braucht bei Einhaltung des Arbeitsgrenzwertes bzw. MAK-Wertes und des BGW oder BAT-Wertes nicht befürchtet zu werden.
Diese Einschätzung basierte auf Tierversuchen, in denen sich keine fetotoxischen Effekte zeigten, solange keine maternaltoxischen Konzentrationen einwirkten.
Für eine adverse Beeinflussung der Fortpflanzungsfähigkeit oder Schädigung der Reproduktionsorgane fanden sich in Tierversuchen keine Anhaltspunkte. [5334]
Mutagenität:
Aus geeigneten Mutagenitätsversuchen liegen einige Anhaltspunkte vor, die wegen möglicher erbgutverändernder Wirkung auf den Menschen zu Besorgnis Anlass geben.
[7510]
In direkt exponierten Geweben zeigt F. genotoxische Effekte (insbesondere Bildung von DNA-Protein-Crosslinks; DPX). Dieser Effekt ist bei niedrigen Expositionen, die nicht zur Zellproliferation führen, aber nur schwach ausgeprägt. [7619, 99996, 5334]
Eine mutagene Wirkung auf die Keimzellen wird bei exogenen F.-Belastungen, die die Bioverfügbarkeit von F. nicht signifikant erhöhen, als nicht wahrscheinlich eingeschätzt. [99996] Bedingt durch die schnelle Verstoffwechselung wird deshalb im beruflich relevanten Konzentrationsbereich bis 0,3 ppm F. kein erhöhtes genetisches Risiko für den Menschen gesehen. [7619]
Kanzerogenität:
Aus dem vorliegenden Informationsmaterial wurde abgeleitet, dass der Stoff als kanzerogen für den Menschen angesehen werden sollte.
[7510]
F. löste in Inhalationsversuchen an Nagern die Bildung von Tumoren an der Nasenschleimhaut aus, wobei Schleimhautläsionen und regenerative Zellproliferationen vorausgingen. [7619]
Für den Menschen erlaubten zahlreiche ältere Studien keine eindeutigen Schlussfolgerungen. Daten aus neuen, erweiterten epidemiologischen Untersuchungen weisen aber auf die Möglichkeit analoger kanzeröser Veränderungen hin.
Nach Neubewertung aller Daten sehen verschiedene Expertengremien den Nachweis oder zumindest den begrenzten Nachweis (limited evidence) für einen Zusammenhang von F.-Exposition und der Entwicklung von Nasen-Rachen-Tumoren (Nasopharyngealtumoren) beim Menschen als erbracht an. [7890, 7748, 99996, 2052]
Den speziellen Mechanismus der Tumorbildung sowie die umfänglichen epidemiologischen Daten berücksichtigend, wird bei niedrigen F.-Expositionen, die keine Steigerung der Zellproliferation bewirken, der Beitrag zum Krebsrisiko des Menschen aber als vernachlässigbar bewertet. Nationale Expertengremien leiteten als "safe level" für die Allgemeinbevölkerung 0,1 ppm, für berufliche Expositionen 0,3 ppm ab.
Ein kausaler Zusammenhang von F.-Exposition und Leukämien, für den nur eine der Studien Hinweise gab, ist nicht gesichert und aus mechanistischen Gründen fraglich. [99996]
Stoffwechsel und Ausscheidung:
Aufgrund der hohen Reaktivität wird F. zu hohen Anteilen am Ort des primären Kontaktes direkt gebunden oder unmittelbar metabolisiert. Nur geringe Mengen werden im Organismus systemisch verfügbar. [99996]
F. bindet in der Zelle an Glutathion und kann zu einem großen Teil auch mit anderen SH-Gruppen-haltigen Peptiden und Proteinen bzw. anderen funktionellen Gruppen der Proteine Verbindungen eingehen. Das mit Glutathion gebildete Hemithioacetal S-Hydroxymethyl-glutathion wird enzymatisch zu S-Formylglutathion umgesetzt. Dieses kann unter Glutathionabspaltung Formiat freisetzen. S-Formylglutathion ist aber auch ausreichend langlebig, um kovalent an Tetrahydrofolat zu binden und kann über diesen Weg in den physiologischen C1-Stoffwechsel eingehen.
Inhalationsexperimente an Ratten zeigten, dass exogen zugeführter Formaldehyd für den Aufbau von RNA- und DNA-Bausteinen herangezogen wird, welche nicht nur am Ort der lokalen Einwirkung, sondern auch in entfernten Geweben, z.B. im Knochenmark, wiederzufinden sind. Die Transportform, in der es in diese Organe gelangt, ist wahrscheinlich das S-Formylglutathion. [7619]
Stoffwechselendprodukte von F. sind schließlich CO2, das abgeatmet wird, sowie das mit dem Urin eliminierte Formiat. [7985]
Anmerkung:
Die Bearbeitung dieser arbeitsmedizinischen Information erfolgte am 15.05.2017.
Sie werden bei Bedarf angepasst.

ERSTE HILFE

Augen:
Auge unter Schutz des unverletzten Auges 10 Minuten unter fließendem Wasser bei weitgespreizten Lidern spülen.
Anschließend möglichst sofortiger Transport zum Augenarzt / zur Klinik.
Der Schweregrad der Schädigung ist nicht sofort erkennbar!
[7985, 7979]
Haut:
Benetzte Kleidung entfernen, dabei Selbstschutz beachten.
Betroffene Hautpartien mindestens 10 bis 20 Minuten unter fließendem Wasser spülen.
Für ärztliche Behandlung sorgen.
[7985]
Atmungsorgane:
Verletzten unter Selbstschutz aus dem Gefahrenbereich an die frische Luft bringen.
Verletzten ruhig lagern, vor Unterkühlung schützen.
Ehestmöglich ein Glucocorticoid-Dosieraerosol zur Inhalation wiederholt tief einatmen lassen.
Bei Atemnot Sauerstoff inhalieren lassen.
Lagerung in halbsitzender Position.
Bei Gefahr von Bewusstlosigkeit Lagerung und Transport in stabiler Seitenlage.
Auch bei geringer/fehlender Symptomatik schnell:
Für ärztliche Behandlung sorgen.
[7985, 160, 22]
Verschlucken:
Mund ausspülen, Flüssigkeit wieder ausspucken.
Sofort - bei erhaltenem Bewusstsein - 1 Glas Wasser (ca. 200 ml) trinken lassen.
Wenn sofort verfügbar, besser 1 - 2%ige Ammoniumcarbonat-Lösung trinken lassen.
Verletzten ruhig lagern, vor Unterkühlung schützen.
Erbrechen nicht anregen.
Bei Spontanerbrechen Kopf des Betroffenen in Bauchlage tief halten, um Aspiration zu verhüten.
In jedem Fall zwischenzeitlich Arzt zum Unfallort rufen.
[160, 8101, 454]
Hinweise für den Arzt:
- Symptomatik der akuten Vergiftung:
Augen: durch Lösung je nach Konzentration/Einwirkungszeit: leichte, reversible Reizung (0,1%ige Lsg.) bis hin zur permanenten Hornhautläsion (z.B. durch 40%ige Lsg.), dabei Schweregrad oft erst nach Latenz erkennbar; durch Gas/Dampf: Tränenreiz, ab 50 ppm Ätzwirkung möglich [7979]
Haut: konzentrations-/zeitabhängig Reizung bis Verätzung, oberflächliche Koagulationsnekrose mit Härtung und Gerbung der Haut sowie Anästhesierung; allergische Hautreaktionen [160] (periorbitales Ödem, Urtikaria, verzögert Ekzembildung), [7748, 7619] in Verbindung mit einer Hausschädigung evtl. auch systemische Effekte [7748]
Inhalation: Reizung der Nasen-Rachen-Schleimhäute (Brennen, Niesreiz, Schnupfen), evtl. Asthma-Anfälle/ asthmoide Beschwerden; bei hohen Konzentration starke Atembeschwerden, Hustenanfälle, Engegefühl in der Brust, Kopfschmerz, Kreislaufreaktionen; [7656, 7619]
Gefahr von Glottisödem/-krampf, Bronchospasmus, evtl. Bronchiolitis, Pneumonie, Lungenödem [160]
Ingestion: konzentrationsabhängig Reizung bis Verätzung der Schleimhäute mit retrosternalen und abdominalen Schmerzen, Würgkrämpfen, blutigem Erbrechen, Zyanose, Ateminsuffizienz, Perforationsgefahr für Ösophagus, Magen, Dünndarm; [160] Resorptiveffekte; später Ausbildung von Strikturen möglich [7637]
Resorption: Beklemmungs-/Angstgefühl, Atemnot [7637] Albuminurie, Hämaturie, Oligurie bis Anurie; Azidose, Benommenheit, Schwindel, Krämpfe, Herz-Kreislauf-Reaktionen, in schweren Fällen schnell Bewusstlosigkeit/Koma und Tod. [160]

- Hinweise zur Ersten ärztlichen Hilfe:
Nach Kontakt mit Lösungen/ konzentrierten Dämpfen Augen anhaltend mit Wasser spülen, erforderlichenfalls Schmerzbekämpfung. Stets baldmöglichst Weiterbehandlung durch Augenarzt. [22]
Kontaminierte Haut gründlich mit Wasser abwaschen. [160] Gereizte Areale mit einem Dermatocorticoid behandeln. [7638] Nach großflächiger Benetzung und gleichzeitiger Hautschädigung empfiehlt sich eine Abklärung der Intoxikation (systemische Effekte?) in der Klinik. [7748]
Nach massiver Inhalation ist neben Zufuhr von Frischluft oder Sauerstoff auch sofortige Applikation von Glucocorticoiden (inhalativ/i.v.) indiziert. [160, 22]
Die Behandlung mit Bronchodilatatoren hat sich nach Inhalation hoher Konzentrationen als erfolgreich erwiesen. [7978] Reizhusten mit Codein behandeln. [22]
Intubation/Tracheotomie kann in schweren Fällen erforderlich werden. [160]
Zur weiteren Behandlung Transport zur Klinik. [7656]
Nach Ingestion wird Verdünnungstherapie empfohlen. Eine Notfallendoskopie kann erforderlich werden. Bei sicher fehlenden Anzeichen von Verätzungen ist eine primäre Giftelimination durch Absaugen von Mageninhalt zu erwägen. [160, 8101]
Weitere Behandlung wie bei Säureverätzungen, insbesondere auf Schockzeichen achten. In der Klinik werden Herz-Kreislaufüberwachung, Azidose-Ausgleich, Überwachung der Nierenfunktion und Thoraxröntgen (Mediastinitisgefahr) als vordringlich angesehen. Formaldehyd und sein Metabolit Ameisensäure sind dialysabel. [160]
Empfehlungen:
Stoff/Produkt und durchgeführte Maßnahmen dem Arzt angeben.
Wässrige Formaldehyd-Lösungen können ca. 10 % Methanol als Stabilisator enthalten, ohne dass dies speziell vermerkt ist. Bei Ingestion relevanter Mengen Formalin wird deshalb die Bestimmung des Methanolspiegels im Blut angeraten.
Mit 1 - 2 %iger Ammoniumcarbonat-Lösung kann Formaldehyd zu dem weniger toxischen Hexamethylentetramin umgesetzt werden. Die Gabe der Lösung als "Antidot" nach Ingestion ist jedoch nur sinnvoll, wenn sie innerhalb weniger Minuten erfolgt. [160]
Anmerkung:
Die Bearbeitung dieser Informationen zur Ersten Hilfe erfolgte am 15.05.2017.
Sie werden bei Bedarf angepasst.

ARBEITSMEDIZINISCHE VORSORGE

Angebotsvorsorge: Arbeitsmedizinische Vorsorge ist anzubieten, wenn bei Tätigkeiten mit dem Stoff eine wiederholte Exposition nicht ausgeschlossen werden kann.
Nachgehende Vorsorge: Nach Beendigung von Tätigkeiten mit Exposition gegenüber diesem Stoff ist eine nachgehende Vorsorge anzubieten.

Fristen: Angebotsvorsorge muss vor Aufnahme der Tätigkeiten angeboten werden. Fristen für die das Angebot von regelmäßiger arbeitsmedizinischer Vorsorge und nachgehender Vorsorge sind der arbeitsmedizinischen Regel „AMR Nummer 2.1“ zu entnehmen.

SICHERER UMGANG

Handhabung | Lagerung | Brand- und Explosionsschutz | Organisatorische Maßnahmen | Persönl. Schutzmaßnahmen | Entsorgung | Freisetzung | Maßnahmen bei Bränden

VORBEMERKUNG

Nachfolgende Daten beziehen sich auf Formaldehydlösungen.

TECHNISCHE SCHUTZMASSNAHMEN – HANDHABUNG

Arbeitsraum - Ausstattung/Belüftung:
Arbeitsbereiche sind möglichst räumlich abzutrennen.
Sehr gute Be- und Entlüftung des Arbeitsraumes vorsehen.
Der Fußboden sollte keinen Bodenabfluss haben.
Waschgelegenheit am Arbeitsplatz vorsehen.
Augenbrausen vorsehen. Standorte auffallend kennzeichnen.
Beim Umgang mit größeren Mengen Notbrausen vorsehen.
Apparaturen:
Krebserzeugende und keimzellmutagene Stoffe nur in geschlossenen Apparaturen handhaben. Ist das Austreten nicht zu verhindern, ist eine Absaugung an der Austrittsstelle erforderlich.
Kann durch Wärmeeinwirkung ein gefährlicher Druck entstehen, so sind geeignete Sicherheitseinrichtungen vorzusehen.
Emissionsgrenzwerte beachten, ggf. Abluftreinigung vorsehen.
Behälter und Leitungen sind eindeutig zu kennzeichnen.
 
Geeignete Werkstoffe:
Glas
Edelstahl
Polyethylen PE
Aluminium
(bei Raumtemperatur)
 
Ungeeignete Werkstoffe:
Eisen-, Kupfer-,Nickel- und Zinklegierungen
Hinweise zum sicheren Umgang:
Auf Sauberkeit am Arbeitsplatz achten.
An Arbeitsplätzen dürfen nur die Substanzmengen vorhanden sein, die für den Fortgang der Arbeiten erforderlich sind.
Gefäße nicht offen stehen lassen.
Für das Ab- und Umfüllen möglichst dichtschließende Anlagen mit Absaugung einsetzen.
Verspritzen vermeiden.
Nur in gekennzeichnete Behälter abfüllen.
Bei offenem Hantieren jeglichen Kontakt vermeiden.
Eindringen in den Boden sicher verhindern (Stahlwanne).
Beim Transport in zerbrechlichen Gefäßen geeignete Überbehälter benutzen.
Reinigung und Instandhaltung:
Alle Räume, Anlagen und Geräte sind regelmäßig zu reinigen.
Beim Reinigen ggf. persönliche Schutzausrüstung benutzen.
Verschmutzte Geräte dürfen nur nach Reinigung in anderen Arbeitsbereichen verwendet werden.
Instandhaltungsarbeiten und Arbeiten in Behältern oder engen Räumen nur mit schriftlicher Erlaubnis durchführen.

TECHNISCHE SCHUTZMASSNAHMEN – LAGERUNG

Lagerbedingungen:
Unter Verschluss oder nur für fachkundige Personen zugänglich aufbewahren.
Keine Lebensmittelgefäße verwenden - Verwechslungsgefahr!
Behälter sind eindeutig und dauerhaft zu kennzeichnen.
Möglichst im Originalbehälter aufbewahren.
Unzerbrechliche Behälter sind Glasbehältern vorzuziehen.
Zerbrechliche Gefäße in bruchsichere Übergefäße einstellen.
Behälter dicht geschlossen halten.
Empfohlen wird Lagerung bei Raumtemperatur.
Behälter an einem gut belüfteten Ort aufbewahren.
Stoff ist lichtempfindlich, vor Lichteinwirkung schützen.
Zusammenlagerungsbedingungen:
Lagerklasse 6.1C (Brennbare, akut toxische Kat. 3 oder chronisch wirkende Stoffe)
Es sollten nur Stoffe derselben Lagerklasse zusammengelagert werden.
Die Zusammenlagerung mit folgenden Stoffen ist verboten:
- Arzneimittel, Lebensmittel und Futtermittel einschließlich Zusatzstoffe.
- Ansteckungsgefährliche, radioaktive und explosive Stoffe.
- Gase.
- Sonstige explosionsgefährliche Stoffe der Lagerklasse 4.1A.
- Stark oxidierend wirkende Stoffe der Lagerklasse 5.1A.
- Ammoniumnitrat und ammoniumnitrathaltige Zubereitungen.
- Organische Peroxide und selbstzersetzliche Stoffe.
Die Zusammenlagerung mit folgenden Stoffen ist nur unter bestimmten Bedingungen erlaubt (Einzelheiten siehe TRGS 510):
- Pyrophore Stoffe.
- Stoffe, die in Berührung mit Wasser entzündbare Gase entwickeln.
- Oxidierend wirkende Stoffe der Lagerklasse 5.1B.
Der Stoff sollte nicht mit Stoffen zusammengelagert werden, mit denen gefährliche chemische Reaktionen möglich sind.

TECHNISCHE SCHUTZMASSNAHMEN - BRAND- UND EXPLOSIONSSCHUTZ

Technische, konstruktive Maßnahmen:
Stoff ist brennbar.
Feuerlöscheinrichtungen sind bereitzustellen.
Elektroinstallation wegen erhöhter Korrosionsgefahr regelmäßig überprüfen.
Vorsichtsmaßnahmen beim Umgang:
Bereiche, in denen der Stoff über seinen Flammpunkt erwärmt verarbeitet wird, gelten als feuergefährdet.
Von offenen Flammen fernhalten.
Schweißarbeiten nur unter Aufsicht durchführen.
Arbeiten an Behältern und Leitungen nur nach sorgfältigem Freispülen und Inertisieren durchführen.

ORGANISATORISCHE SCHUTZMASSNAHMEN

Unterweisung über Gefahren und Schutzmaßnahmen anhand der Betriebsanweisung (TRGS 555) mit Unterschrift erforderlich, falls mehr als nur eine geringe Gefährdung festgestellt wurde.
Unterweisungen vor der Beschäftigung und danach mindestens einmal jährlich durchführen.
Ein Flucht- und Rettungsplan ist aufzustellen, wenn Lage, Ausdehnung und Nutzungsart der Arbeitsstätte dies erfordern.
Es ist sicherzustellen, dass die Arbeitsplatzgrenzwerte eingehalten werden. Bei Grenzwertüberschreitung sind zusätzliche Schutzmaßnahmen nach Gefahrstoffverordnung erforderlich.
Messergebnisse sind aufzuzeichnen und aufzubewahren.
Die Zahl der Beschäftigten, die mit dem Gefahrstoff umgehen, ist so klein wie möglich zu halten.
Beschäftigungsbeschränkungen für Jugendliche nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz beachten.
Tätigkeitsbeschränkungen für schwangere Frauen nach Mutterschutzgesetz beachten.
Das Betreten der Betriebsbereiche ist nur den Beschäftigten gestattet. Entsprechende Hinweisschilder sind anzubringen.

PERSÖNLICHE SCHUTZMASSNAHMEN

Körperschutz:
Je nach Gefährdung dichte, ausreichend lange Schürze und Stiefel oder geeigneten Chemikalienschutzanzug tragen.
Atemschutz:
In Ausnahmesituationen (z.B. unbeabsichtigte Stofffreisetzung, Arbeitsplatzgrenzwertüberschreitung) ist das Tragen von Atemschutz erforderlich. Tragezeitbegrenzungen beachten.
Der Stoff ist ein Niedrigsieder der Gruppe 3 nach DGUV Regel 112-190.
Atemschutzgerät: Mehrbereichsfilter ABEK, Kennfarbe braun-grau-gelb-grün.
 
Wenn sich Paraformaldehyd aus unstabilisierter Formaldehyd-Lösung gebildet hat:
Atemschutzgerät: Kombinationsfilter ABEK-P3, Kennfarbe braun-grau-gelb-grün-weiß.
 
Bei Konzentrationen über der Anwendungsgrenze von Filtergeräten, bei Sauerstoffgehalten unter 17 Vol% oder bei unklaren Bedingungen ist ein Isoliergerät zu verwenden.
Augenschutz:
Es muss ausreichender Augenschutz getragen werden.
Korbbrille verwenden.
Ist auch das Gesicht gefährdet, ist zusätzlich ein Schutzschirm zu benutzen.
Können augenschädigende Dämpfe oder Aerosole auftreten, ist der Schutz der Augen am besten durch eine Vollmaske sicherzustellen.
Handschutz:
Schutzhandschuhe verwenden. Das Handschuhmaterial muss gegen den verwendeten Stoff ausreichend undurchlässig und beständig sein. Vor Gebrauch Dichtheit prüfen. Handschuhe vor dem Ausziehen vorreinigen, danach gut belüftet aufbewahren. Hautpflege beachten.
Hautschutzsalben bieten keinen ausreichenden Schutz gegen diesen Stoff.
Völlig ungeeignet sind Stoff- oder Lederhandschuhe. 
 
Nachfolgende Daten gelten für 5 %-ige Lösungen:
Geeignet sind Handschuhe aus folgenden Materialien (Durchbruchzeit >= 8 Stunden):
Polychloropren - CR (0,5 mm)
Nitrilkautschuk/Nitrillatex - NBR (0,35 mm)
Butylkautschuk - Butyl (0,5 mm)
Fluorkautschuk - FKM (0,4 mm)
Polyvinylchlorid - PVC (0,5 mm)
Nicht geeignet wegen Degradation, starker Quellung oder geringer Durchbruchzeit sind folgende Handschuhmaterialien:
Naturkautschuk/Naturlatex - NR
 
Nachfolgende Daten gelten für 10 und 20 %-ige Lösungen:
Geeignet sind Handschuhe aus folgenden Materialien (Durchbruchzeit >= 8 Stunden):
Nitrilkautschuk/Nitrillatex - NBR (0,35 mm)
Butylkautschuk - Butyl (0,5 mm)
Fluorkautschuk - FKM (0,4 mm)
Handschuhe aus folgenden Materialien bei Dauerkontakt nicht länger als 4 Stunden tragen (Durchbruchzeit >= 4 Stunden):
Polychloropren - CR (0,5 mm)
Handschuhe aus folgenden Materialien bei Dauerkontakt nicht länger als 2 Stunden tragen (Durchbruchzeit >= 2 Stunden):
Polyvinylchlorid - PVC (0,5 mm)
Nicht geeignet wegen Degradation, starker Quellung oder geringer Durchbruchzeit sind folgende Handschuhmaterialien:
Naturkautschuk/Naturlatex - NR
 
Nachfolgende Daten gelten für 37 % ige Lösungen:
Geeignet sind Handschuhe aus folgenden Materialien (Durchbruchzeit >= 8 Stunden):
Nitrilkautschuk/Nitrillatex - NBR (0,35 mm)
Butylkautschuk - Butyl (0,5 mm)
Fluorkautschuk - FKM (0,4 mm)
Handschuhe aus folgenden Materialien bei Dauerkontakt nicht länger als 4 Stunden tragen (Durchbruchzeit >= 4 Stunden):
Polychloropren - CR (0,5 mm)
Handschuhe aus folgenden Materialien bei Dauerkontakt nicht länger als 1 Stunde tragen (Durchbruchzeit >= 1 Stunde):
Polyvinylchlorid - PVC (0,5 mm)
Nicht geeignet wegen Degradation, starker Quellung oder geringer Durchbruchzeit sind folgende Handschuhmaterialien:
Naturkautschuk/Naturlatex - NR
 
Die Zeitangaben sind Richtwerte aus Messungen bei 22 °C und dauerhaftem Kontakt. Erhöhte Temperaturen durch erwärmte Substanzen, Körperwärme etc. und eine Verminderung der effektiven Schichtstärke durch Dehnung können zu einer erheblichen Verringerung der Durchbruchzeit führen. Im Zweifelsfall Hersteller ansprechen. Bei einer ca. 1,5-fach größeren/kleineren Schichtdicke verdoppelt/halbiert sich die jeweilige Durchbruchzeit. Die Daten gelten nur für den Reinstoff. Bei Übertragung auf Substanzgemische dürfen sie nur als Orientierungshilfe angesehen werden.
Arbeitshygiene:
In Arbeitsbereichen dürfen keine Nahrungs- und Genussmittel aufgenommen werden. Für diesen Zweck sind geeignete Bereiche einzurichten.
Berührung mit der Haut vermeiden. Nach Substanzkontakt ist Hautreinigung erforderlich.
Berührung mit den Augen vermeiden. Nach Substanzkontakt Augenspülung vornehmen.
Einatmen von Dämpfen oder Nebeln vermeiden.
Berührung mit der Kleidung vermeiden. Verunreinigte Kleidung wechseln und gründlich reinigen.
Kleidung vor der Reinigung in verdünnte Ammoniaklösung legen.
Vor Pausen gegebenenfalls die Arbeitskleidung wechseln.
Getrennte Aufbewahrungsmöglichkeiten für Straßen- und Arbeitskleidung müssen zur Verfügung stehen, wenn eine Gefährdung durch Verunreinigung der Arbeitskleidung zu erwarten ist.
Vor Pausen und bei Arbeitsende Hautreinigung mit Wasser und Seife erforderlich. Nach der Reinigung fetthaltige Hautpflegemittel verwenden.

ENTSORGUNG

Gefährlicher Abfall nach Abfallverzeichnis-Verordnung (AVV).
Wenn eine Verwertung nicht möglich ist, müssen Abfälle unter Beachtung der örtlichen behördlichen Vorschriften beseitigt werden.
 
Sammlung von Kleinmengen:
In Sammelbehälter für giftige entzündbare Verbindungen geben.
Sammelgefäße sind deutlich mit der systematischen Bezeichnung ihres Inhaltes zu beschriften. Gefäße an einem gut gelüfteten Ort aufbewahren. Der zuständigen Stelle zur Abfallbeseitigung übergeben.

MASSNAHMEN BEI UNBEABSICHTIGTER FREISETZUNG

Gefährdeten Bereich räumen, betroffene Umgebung warnen.
Zur Beseitigung des gefährlichen Zustandes darf der Gefahrenbereich nur mit geeigneten Schutzmaßnahmen betreten werden.
Atem-, Augen-, Hand- und Körperschutz tragen (s. Kapitel Persönliche Schutzmaßnahmen).
Verschüttete Flüssigkeiten mit Universalbinder (z.B. Kieselgur, Vermiculit, Sand) aufnehmen und vorschriftsmäßig entsorgen.
Anschließend Raum lüften und verschmutzte Gegenstände und Boden reinigen.
 
Gewässergefährdung:
Stark wassergefährdend. Eindringen in Gewässer, Kanalisation oder Erdreich unbedingt vermeiden. Schon beim Eindringen geringer Mengen Behörden verständigen.

MASSNAHMEN BEI BRÄNDEN

Brandklasse:
B flüssige oder flüssig werdende Stoffe
Geeignete Löschmittel:
Wasser (Sprühstrahl - keinen Vollstrahl einsetzen)
Trockenlöschpulver
Kohlendioxid
Größeren Brand mit alkoholbeständigem Schaum oder Sprühwasser bekämpfen.
Verhaltensmaßregeln:
Umliegende Gebinde und Behälter mit Sprühwasser kühlen.
Behälter wenn möglich aus der Gefahrenzone bringen.
Drucksteigerung, Berst- und Explosionsgefahr beim Erhitzen.
Zündquellen beseitigen.
Entstehende Dämpfe mit Wassersprühstahl niederschlagen.
Löschwasser nicht in die Kanalisation gelangen lassen.
Persönliche Schutzausrüstung bei der Brandbekämpfung:
Im Brandfall können gefährliche Stoffe freigesetzt werden.
Kohlenmonoxid und Kohlendioxid
Umgebungsluftunabhängiges Atemschutzgerät und Chemieschutzanzug tragen.

VORSCHRIFTEN

GHS-Einstufung/Kennzeichnung | Arbeitsplatzkennzeichnung | Wassergefährdungsklasse | TA Luft | Transportvorschriften | Luftgrenzwerte | Empfehlung MAK | Störfallverordnung | Verwendungsbeschränkungen | TRGS | Vorschriften UV-Träger | Arbeitsmedizinische Vorsorge

EU-GHS-EINSTUFUNG UND KENNZEICHNUNG

Einstufung:
Akute Toxizität, Kategorie 3, Verschlucken; H301
Akute Toxizität, Kategorie 3, Einatmen; H331
Akute Toxizität, Kategorie 3, Hautkontakt; H311
Ätzwirkung auf die Haut, Kategorie 1B; H314
Sensibilisierung der Haut, Kategorie 1; H317
Keimzellmutagenität, Kategorie 2; H341
Karzinogenität, Kategorie 1B; H350
Spezifische Zielorgan-Toxizität (einmalige Exposition), Kategorie 1; H370
Spezifische Zielorgan-Toxizität (einmalige Exposition), Kategorie 3; H335
Gefahrensymbol/Formel Gefahrensymbol/Formel Gefahrensymbol/Formel
Signalwort: "Gefahr"
Gefahrenhinweise - H-Sätze:
H301+H311+H331: Giftig bei Verschlucken, bei Hautkontakt oder bei Einatmen.
H314: Verursacht schwere Verätzungen der Haut und schwere Augenschäden.
H317: Kann allergische Hautreaktionen verursachen.
H335: Kann die Atemwege reizen.
H341: Kann vermutlich genetische Defekte verursachen.
H350: Kann Krebs erzeugen.
H370: Schädigt die Organe.
Sicherheitshinweise - P-Sätze:
P201: Vor Gebrauch besondere Anweisungen einholen.
P280: Schutzhandschuhe/Schutzkleidung/Augenschutz/Gesichtsschutz tragen.
P303+P361+P353: BEI BERÜHRUNG MIT DER HAUT (oder dem Haar): Alle kontaminierten Kleidungsstücke sofort ausziehen. Haut mit Wasser abwaschen oder duschen.
P304+P340+P310: BEI EINATMEN: Die Person an die frische Luft bringen und für ungehinderte Atmung sorgen. Sofort GIFTINFORMATIONSZENTRUM oder Arzt anrufen.
P305+P351+P338: BEI KONTAKT MIT DEN AUGEN: Einige Minuten lang behutsam mit Wasser spülen. Eventuell vorhandene Kontaktlinsen nach Möglichkeit entfernen. Weiter spülen.
P308+P310: BEI Exposition oder falls betroffen: Sofort GIFTINFORMATIONSZENTRUM oder Arzt anrufen.
Herstellerangabe Sigma-Aldrich
 
GESTIS-Hinweis:
Die Einstufung gilt für wässrige Formaldehydlösungen, die mit mindestens 10 % Methanol stabilisiert sind. Bei Methanolkonzentrationen < 3 % entfällt H370. Bei Methanolkonzentrationen von 3 ... <10 % ist H371 statt H370 anzugeben.
Quelle: 01221 07507 
Stand: 2015
geprüft: 2015
Der Stoff ist gelistet in Anhang VI, Tabelle 3 der EG-GHS-Verordnung.
Die angegebene Einstufung kann von der Listeneinstufung abweichen, da diese bezüglich fehlender oder abweichender Gefahrenklassen und Kategorien für den jeweiligen Stoff zu ergänzen ist.
Quelle: 99999 

GHS-EINSTUFUNG VON GEMISCHEN

Spezifische Konzentrationsgrenzen
Hautätz. 1B; H314: C >=25 %
Hautreiz. 2; H315: 5 % <= C < 25 %
Augenreiz. 2; H319: 5 % <= C < 25 %
STOT einm. 3; H335: C >= 5 %
Sens. Haut 1; H317: C >= 0,2 %
Für weitere ggf. nicht aufgeführte Konzentrationsbereiche bzw. weitere evtl. vorhandene Gefahreneinstufungen des Stoffes sind die allgemeinen Konzentrationsgrenzen aus Anhang 1 der Verordnung (EG) 1272/2008 heranzuziehen.
Ergänzende Kennzeichnungselemente nach Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 Anhang II, Nr. 2.8: Das Kennzeichnungsetikett auf der Verpackung von Gemischen, die mindestens einen als sensibilisierend eingestuften Stoff in einer Konzentration enthalten, die mindestens 0,1 % beträgt oder mindestens ebenso hoch ist wie die in Anhang VI Teil 3 dieser Verordnung in einem besonderen Hinweis für den Stoff genannte Konzentration, muss folgenden Hinweis tragen:
EUH208 - „Enthält ‚Name des sensibilisierenden Stoffes‘. Kann allergische Reaktionen hervorrufen.“
Quelle: 07507 

ARBEITSPLATZKENNZEICHNUNG NACH ASR A1.3

Verbotszeichen:
Gefahrensymbol/Formel Rauchen verboten
Gefahrensymbol/Formel Zutritt für Unbefugte verboten
Gefahrensymbol/Formel Essen und Trinken verboten
Warnzeichen:
Gefahrensymbol/Formel Warnung vor giftigen Stoffen
Gefahrensymbol/Formel Warnung vor ätzenden Stoffen
Gebotszeichen:
Gefahrensymbol/Formel Augenschutz benutzen
Gefahrensymbol/Formel Schutzhandschuhe benutzen

EINSTUFUNG WASSERGEFÄHRDENDER STOFFE

Stoff Nr.: 112
WGK 3 - stark wassergefährdend
Einstufung gemäß Bekanntmachung der Liste der wassergefährdenden Stoffe im Bundesanzeiger vom 10.08.2017, zuletzt ergänzt 04.07.2019

TECHNISCHE ANLEITUNG ZUR REINHALTUNG DER LUFT (TA LUFT)

Kapitel 5.2.7.1.1 Krebserzeugende Stoffe
Der Stoff ist derjenigen Klasse (I, II oder III) zuzuordnen, deren Stoffen er in seiner Wirkungsstärke am nächsten steht. Diese Bewertung kann mangels entsprechender Daten von uns nicht durchgeführt werden.

TRANSPORTVORSCHRIFTEN

UN-Nummer: 2209
Gefahrgut-Bezeichnung: Formaldehydlösung mit min. 25 % Formaldehyd
Nummer zur Kennzeichnung der Gefahr: 80
Klasse: 8 (Ätzende Stoffe)
Verpackungsgruppe: III (geringe Gefährlichkeit)
Gefahrzettel: 8
Gefahrensymbol/Formel
Tunnelbeschränkungen:
Durchfahrt verboten durch Tunnel der Kategorie E.
Quelle: 07902 
UN-Nummer: 1198
Gefahrgut-Bezeichnung: Formaldehyd, Lösung, entzündbar
Nummer zur Kennzeichnung der Gefahr: 38
Klasse: 3 (Entzündbare flüssige Stoffe)
Verpackungsgruppe: III (geringe Gefährlichkeit)
Gefahrzettel: 3/8
Gefahrensymbol/Formel Gefahrensymbol/Formel
Tunnelbeschränkungen:
Beförderungen in loser Schüttung oder in Tanks: Durchfahrt verboten durch Tunnel der Kategorien D und E.
Sonstige Beförderungen: Durchfahrt verboten durch Tunnel der Kategorie E.
Quelle: 07902 

TRGS 900 – ARBEITSPLATZGRENZWERTE

0,3 ml/m³
0,37 mg/m³
Spitzenbegrenzung: Überschreitungsfaktor 2
Dauer 15 min, Mittelwert; 4 mal pro Schicht; Abstand 1 h
Kategorie I - Stoffe bei denen die lokale Wirkung grenzwertbestimmend ist oder atemwegssensibilisierende Stoffe
Krebserzeugender Stoff der Kat. 1A oder 1B oder krebserzeugende Tätigkeit oder Verfahren nach § 2 Absatz 3 Nr. 4 der Gefahrstoffverordnung - es ist zusätzlich § 10 GefStoffV zu beachten.
Ein Risiko der Fruchtschädigung braucht bei Einhaltung des AGW und des BGW nicht befürchtet zu werden.
Gefahr der Sensibilisierung der Haut
Herkunft: AGS

EMPFEHLUNGEN DER MAK-KOMMISSION

Die Angaben sind wissenschaftliche Empfehlungen und kein geltendes Recht.
0,3 ml/m³
0,37 mg/m³
Spitzenbegrenzung: Überschreitungsfaktor 2
Dauer 15 min, Mittelwert; 4 mal pro Schicht; Abstand 1 h
Kategorie I - Stoffe bei denen die lokale Wirkung grenzwertbestimmend ist oder atemwegssensibilisierende Stoffe
Gefahr der Sensibilisierung der Haut
Krebserzeugend: Kategorie 4
Stoffe mit krebserzeugender Wirkung, bei denen genotoxische Effekte keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielen. Liegt ein MAK-Wert vor, ist bei dessen Einhaltung kein nennenswerter Beitrag zum Krebsrisiko für den Menschen zu erwarten.
Schwangerschaft: Gruppe C
Ein Risiko der Fruchtschädigung braucht bei Einhaltung des MAK-Wertes und des BAT-Wertes nicht befürchtet werden.
Keimzellmutagen: Kategorie 5
Keimzellmutagene, deren Wirkungsstärke als so gering erachtet wird, dass unter Einhaltung des MAK-Wertes kein nennenswerter Beitrag zum genetischen Risiko für den Menschen zu erwarten ist.
Geltungsbereich: Formaldehyd
Bei Mischexposition ist darauf zu achten, dass keine Reizwirkung auftritt.
Ein Momentanwert von 1 ml/m3 (1,2 mg/m3) sollte nicht überschritten werden.

STÖRFALLVERORDNUNG (StoerfallV)

Anhang I Nummer: 2.22
Formaldehyd (≥ 90 Gew.-%)
Mengenschwelle untere Kl.: 5 t
Mengenschwelle obere Kl.: 50 t

VERWENDUNGSBESCHRÄNKUNGEN / VERWENDUNGSVERBOTE

REACH-Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 Anhang XVII
Anhang XVII, Nummer 3
1. Das Inverkehrbringen und die Verwendung des Stoffes ist nicht zugelassen in Dekorationsgegenständen, Spielen und Scherzspielen.
2. Stoffe, die mit H304 gekennzeichnet sind, die als Brennstoff in Zierlampen verwendet werden können und die in Mengen von 15 l oder weniger in den Verkehr gebracht werden, dürfen keinen Farbstoff und/oder kein Parfüm enthalten.
Weitere Informationen zu den Verboten sind der Verordnung zu entnehmen.
 
Anhang XVII, Nummer 28, Nummer 29 bzw. Nummer 30
Der Stoff darf nicht in Verkehr gebracht oder verwendet werden als Stoff, als Bestandteil anderer Stoffe oder in Gemischen, die zum Verkauf an die breite Öffentlichkeit bestimmt sind, wenn die Einzelkonzentration des Stoffs oder Gemischs die Konzentrationsgrenzwerte nach CLP-Verordnung erreicht oder übersteigt. Beim Inverkehrbringen für gewerbliche Anwender muss der Lieferant gewährleisten, dass die Verpackung mit der Aufschrift „Nur für gewerbliche Anwender.“ versehen ist. Weitere Einzelheiten sind der Verordnung zu entnehmen.
 
Anhang XVII, Nummer 72
Der Stoff darf nach dem 1. November 2020 in Folgendem nicht mehr in Verkehr gebracht werden:
a) Kleidung oder damit in Bezug stehendem Zubehör,
b) anderen Textilien, die bei normaler oder vernünftigerweise vorhersehbarer Verwendung in einem ähnlichen Maße wie Kleidung mit der menschlichen Haut in Berührung kommen,
c) Schuhwaren,
wenn die Kleidung, das damit in Bezug stehende Zubehör, die anderen Textilien oder die Schuhwaren für die Nutzung durch Verbraucher vorgesehen sind und der Stoff in einer in homogenem Material gemessenen Konzentration vorhanden ist, die gleich der für diesen Stoff in Anlage 12 angegebenen ist oder darüber liegt.
Weitere Informationen zu dem Verbot und den Konzentrationsgrenzen sind der Verordnung zu entnehmen.
Chemikalienverbotsverordnung (ChemVerbotsV)
Anlage 1 zu §3, Eintrag 1
Holzwerkstoffe dürfen nicht in Verkehr gebracht werden, wenn die durch sie verursachte Ausgleichskonzentration des Formaldehyds in der Luft eines Prüfraums 0,1 ml/m3 (ppm) überschreitet.
Wasch-, Reinigungs- und Pflegemittel mit einem Massengehalt von mehr als 0,2% Formaldehyd dürfen nicht in den Verkehr gebracht werden.
Ausnahmen sind der Chemikalienverbotsverordnung zu entnehmen.
Bedarfsgegenständeverordnung (BedGgstV)
Anlage 1 zu § 3, Nummer 5
Der Stoff darf nicht beim Herstellen oder Behandeln von Scherzspielen verwendet werden.

TECHNISCHE REGELN FÜR GEFAHRSTOFFE (TRGS)

TRGS 201
Einstufung und Kennzeichnung bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen; Ausgabe Februar 2017, zuletzt geändert und ergänzt April 2018

TRGS 400
Gefährdungsbeurteilung für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen; Ausgabe Juli 2017

TRGS 555
Betriebsanweisung und Information der Beschäftigten; Ausgabe Februar 2017

TRGS 600
Substitution; Ausgabe August 2008
TRGS 402
Ermitteln und Beurteilen der Gefährdungen bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen: Inhalative Exposition; Ausgabe Januar 2010, zuletzt geändert und ergänzt Oktober 2016
TRGS 401
Gefährdung durch Hautkontakt, Ermittlung - Beurteilung - Maßnahmen; Ausgabe Juni 2008; zuletzt berichtigt März 2011
TRGS 410
Expositionsverzeichnis bei Gefährdung gegenüber krebserzeugenden oder keimzellmutagenen Gefahrstoffen der Kategorien 1A oder 1B; Ausgabe Juni 2015
TRGS 500
Schutzmaßnahmen; Ausgabe Januar 2008, ergänzt Mai 2008
TRGS 509
Lagern von flüssigen und festen Gefahrstoffen in ortsfesten Behältern sowie Füll- und Entleerstellen für ortsbewegliche Behälter; Ausgabe September 2014, zuletzt berichtigt, geändert und ergänzt April 2017

TRGS 510
Lagerung von Gefahrstoffen in ortsbeweglichen Behältern; Ausgabe Januar 2013, geändert und ergänzt November 2014, berichtigt November 2015
TRGS 800
Brandschutzmaßnahmen; Ausgabe Dezember 2010
TRGS 513
Tätigkeiten an Sterilisatoren mit Ethylenoxid und Formaldehyd; Ausgabe Oktober 2011, geändert und ergänzt Oktober 2017
TRGS 522
Raumdesinfektionen mit Formaldehyd; Ausgabe Januar 2013

VORSCHRIFTEN DER UNFALLVERSICHERUNGSTRÄGER

DGUV Regel 112-190
Benutzung von Atemschutzgeräten, Ausgabe Dezember 2011
http://publikationen.dguv.de/dguv/pdf/10002/r-190.pdf
DGUV Regel 112-195
Benutzung von Schutzhandschuhen, Aktualisierte Nachdruckfassung Oktober 2007
http://publikationen.dguv.de/dguv/pdf/10002/bgr195.pdf

LINKS

Begründung zum Arbeitsplatzgrenzwert (Quelle BAuA)
Internationale Grenzwerte (nur auf Englisch)
geeignete Analysenverfahren (nur auf Englisch)
OECD Screening Information DataSet (SIDS) (nur auf Englisch)
The MAK Collection for Occupational Health and Safety
Grundsätze für die sichere Handhabung und Distribution toxischer Gase und Gemische (IGC Doc 130/11/E) (nur auf Englisch)
Publikationen des IGV (Industriegaseverband e.V.)
Publikationen des EIGA (European Industrial Gases Association) Dokumente Download (auf Englisch, teilweise deutsche Übersetzungen des IGV Industriegaseverband e.V. erhältlich)
DGUV Information 213-098: Stoffliste - Unterricht in Schulen

LITERATURVERZEICHNIS

Quelle: 00001
IFA: Erfassungs- und Pflegehandbuch der GESTIS-Stoffdatenbank (nicht öffentlich)
Data acquisition and maintenance manual of the GESTIS substance database (non-public)

Quelle: 00022
G. Hommel
"Handbuch der gefährlichen Güter" Loseblattsammlung mit Ergänzungslieferungen
"Handbook of dangerous goods " loose-leaf collection with supplement deliveries
Springer-Verlag, Heidelberg

Quelle: 00083
Environmental Health Criteria (Serie), WHO, Genf

Quelle: 00106
Sorbe "Sicherheitstechnische Kenndaten chemischer Stoffe" ("Safety-related characteristics of chemical substances"), sicherheitsNet.de, Landsberg, 07/2011

Quelle: 00160
Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV): Informationskartei für die Erkennung und Behandlung von Vergiftungen
(Federal Institute for Health Protection of Consumers and Veterinary Medicine: Information index for the detection and treatment of poisoning)

Quelle: 00220
IUCLID-CD-ROM, Year 2000 edition; European Commission, Joint Research Centre, Institute for Health and Consumer Protection, European Chemicals Bureau; Ispra, Italy

Quelle: 00435
Organisation for Economic Cooperation and Development (OECD) "Screening Information Data Set for High Production Volume Chemicals (SIDS)", http://www.inchem.org/pages/sids.html

Quelle: 00440
Datenbank CHEMSAFE, Version 2016.0, DECHEMA-PTB-BAM

Quelle: 00454
Hazardous Substances Data Bank (HSDB)

Quelle: 01211
GHS-Sicherheitsdatenblatt, Merck
GHS Material Safety Data Sheet, Merck

Quelle: 01221
GHS-Sicherheitsdatenblatt, Sigma-Aldrich
GHS Material Safety Data Sheet, Sigma-Aldrich

Quelle: 01241
GHS-Sicherheitsdatenblatt, Acros Organics (eine Marke von Thermo Fisher Scientific)
GHS Material Safety Data Sheet, Acros Organics (A Thermo Fisher Scientific Brand)

Quelle: 01251
GHS-Sicherheitsdatenblatt, Alfa Aesar (eine Marke von Thermo Fisher Scientific)
GHS Material Safety Data Sheet, Alfa Aesar (A Thermo Fisher Scientific Brand)

Quelle: 02052
European Chemicals Agency (ECHA)
Committee for Risk Assessment:
Opinion proposing harmonised classification and labeling at EU level (im Internet)

Quelle: 02070
LOG KOW Databank, compiled by Dr. James Sangster, Sangster Research Laboratories, Montreal, Canada, distributed by Technical Database Services (TDS), New York

Quelle: 02071
Toxicological Data, compiled by the National Institute of Health (NIH), USA, selected and distributed by Technical Database Services (TDS), New York, 2009

Quelle: 02072
Ecotoxicological Data, compiled by the US Environmental Protection Agency (EPA), selected and distributed by Technical Database Services (TDS), New York, 2009

Quelle: 05200
Kühn-Birett "Merkblätter Gefährliche Arbeitsstoffe" Loseblattsammlung mit Ergänzungslieferungen, ecomed Sicherheit, Landsberg

Quelle: 05300
TRGS 510 "Lagerung von Gefahrstoffen in ortsbeweglichen Behältern" Ausgabe Januar 2013, in der Fassung vom 30.11.2015

Quelle: 05334
Begründung zum Arbeitsplatzgrenzwert (Quelle BAuA)

Quelle: 05350
TRGS 900 "Arbeitsplatzgrenzwerte" Ausgabe Januar 2006, zuletzt geändert und ergänzt Februar 2019

Quelle: 06002
L. Roth, U. Weller
"Gefährliche Chemische Reaktionen" Loseblattsammlung mit Ergänzungslieferungen
"Dangerous chemical reactions" loose-leaf collection with supplement deliveries
ecomed-Verlag

Quelle: 07507
Verordnung (EU) Nr. 605/2014 der Kommission vom 5. Juni 2014 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen (EG-GHS-Verordnung, 6. Änderung) mit Änderungen durch Verordnung (EU) Nr. 2015/491 der Kommission vom 23. März 2015.

Quelle: 07510
Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Dezember 2008 über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen, geändert durch Verordnung (EG) Nr. 790/2009 der Kommission vom 10. August 2009 (EG-GHS-Verordnung) (ehemals Richtlinie 67/548/EWG mit Anpassungsrichtlinien in der jeweils gültigen Fassung).

Quelle: 07520
Europäische Chemikalienagentur ECHA: Informationen über registrierte Substanzen
European Chemicals Agency ECHA: Information on registered substances

Quelle: 07580
Bekanntmachung der Liste der wassergefährdenden Stoffe im Bundesanzeiger vom 10.08.2017, zuletzt geändert 04.07.2019

Quelle: 07606
Wirth, Gloxhuber "Toxikologie" 4.Auflage, Thieme Verlag 1985

Quelle: 07619
DFG: Toxikologisch-arbeitsmedizinische Begründungen von MAK-Werten; Verlag Chemie

Quelle: 07637
S. Moeschlin "Klinik und Therapie der Vergiftungen" 7. Auflage, Thieme-Verlag, Stuttgart 1986

Quelle: 07638
M. Daunderer "Toxikologische Enzyklopädie - Klinische Toxikologie - Giftinformation, Giftnachweis, Vergiftungstherapie" Loseblatt-Ausgabe, ecomed-Verlagsgesellschaft mbH, Landsberg

Quelle: 07656
D. Walsh (Hrsg.) "Chemical Safety Data Sheets; Vol. I Solvents, Vol. II Metalls, Vol. III Corrosives and Irritants, Vol. IV Toxic Chemicals, Vol.V Flammable Chemicals" University of Technology, Loughborough 1990

Quelle: 07748
American Conference of Governmental Industrial Hygienists "Documentation of the threshold limit values and biological exposure indices Loseblattsammlung mit Ergänzungslieferungen

Quelle: 07795
H. Geerißen "GloSaDa 2000 Plus - Glove Safety Data"

Quelle: 07796
L. Roth "Wassergefährdende Stoffe" Loseblattsammlung mit Ergänzungslieferungen, ecomed-Verlag

Quelle: 07836
L. Lewin "Gifte und Vergiftungen" 6. Auflage, Karl F. Haug Verlag, Heidelberg 1992

Quelle: 07890
F. Klaschka; D. Vossmann: Kontaktallergene: Chemische, klinische und experimentelle Daten; (Allergen-Liste), Erich Schmidt Verlag, Berlin 1994

Quelle: 07902
BAM: Datenbank Gefahrgut-Schnellinfo

Quelle: 07914
D. Kaiser, E. Schlede (Hrsg.) "Chemikalien und Kontaktallergie - Eine bewertende Zusammenstellung" Loseblattsammlung mit Ergänzungslieferungen, 1995

Quelle: 07930
NIOSH IDLHs "Dokumentation for Immediately Dangerous to Life or Health Concentrations (IDLHs)" U.S. Department of Health and Human Service, Cincinnati Mai 1994

Quelle: 07978
Klaus Albrecht: Intensivtherapie akuter Vergiftungen; Verlag Ullstein-Mosby; Berlin 1997

Quelle: 07979
W.M. Grant, J.S. Schuman: Toxicology of the eyes; 4th Edition, Charles C Thomas Publisher, Springfield, Illinois; 1993

Quelle: 07985
IPCS: CICADs - Concise International Chemical Assessment Documents. WHO, Genf, Serie ab 1998

Quelle: 08101
Reinhard Ludewig, Ralf Regenthal:
Akute Vergiftungen und Arzneimittelüberdosierungen,
11. Auflage,
Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 2015

Quelle: 08111
DFG Deutsche Forschungsgemeinschaft: MAK- und BAT-Werte-Liste 2018, Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe, Mitteilung 54; WILEY-VCH

Quelle: 99996
Projektgebundene arbeitsmedizinisch-toxikologische Literatur (2)
Project related bibliographical references regarding occupational health and toxikology (2)

Quelle: 99999
Angabe des Bearbeiters
Indication of the editor

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